Ay Ay Ay Café - „Kaffeegenuss“ mit Teatro Vivo essenerkulturgespräch an der Erich-Kästner-Gesamtschule am 25.9.2003 von Artur Nickel Eine Kaffeebohne auf Reisen? Das ist kein Event aus einem neuen Touristikprogramm, sondern Entwicklungspolitik pur, präsentiert von Teatro Vivo aus Guatemala! In ihrem Theaterstück Ay, Ay, Ay Café erzählt die guatemaltekische Schauspieltruppe auf diese Weise die Kulturgeschichte des Kaffees Sie berichtet über seine afrikanischen und arabischen Wurzeln, über seinen Aufstieg zum türkischen Nationalgetränk und über seinen Weg auf die großen Kaffeeplantagen Lateinamerikas. Mal wurde er verteufelt und in Grund und Boden verdammt, dann wieder in den Himmel gehoben und vergöttert. Eine Geschichte mit Höhen und Tiefen und vielen überraschenden Facetten! Gespielt wird die freche kleine Kaffeebohne von Carmen Samayoa. Mit umwerfender Komik und ausdrucksstarker Mimik und Gestik reißt sie die Zuschauer mit, zieht sie sie in ihren Bann. Eine bemerkenswerte, eine tolle Schauspielerin! Edgar Flores begleitet sie als namenloser Campesino. Er schleppt die Kaffeesäcke, sorgt aber auch für die Musik und die entsprechende röstfrische Duftnote. Teatro Vivo unterhält seine Zuschauer und hält ihnen zugleich einen Spiegel vor. Es prangert die Missstände an, die der Kaffeekonsum hervorruft: das Abholzen der Urwälder in Lateinamerika mit unabsehbaren Folgen für die Natur, die Entrechtung der Bevölkerung, ihre wirtschaftliche und politische Abhängigkeit von den internationalen Konzernen, die den Kaffee auf den Weltmärkten vertreiben. Dass ein indogener Plantagenarbeiter in Lateinamerika heute nur so viel verdient, wie bei uns eine Tasse Kaffee kostet! Auch ihm gilt im übertragenen Sinn der Song der kleinen Kaffeebohne: Sie werden mich mahlen, rösten, mit heißem Wasser übergießen und mich trinken – was für ein Schicksal! Ay, ay, ay, Café! Das Stück Ay, ay, ay, Café fordert die Zuschauer – alte wie junge - auf, ihr Konsumverhalten zu überdenken und zu verändern. Es hinterfragt unsere Gewohnheiten, es macht uns bewusst, was wir tun und was wir nicht tun. Teatro Vivo präsentiert gutes lateinamerikanisches Volkstheater, das anspricht, aufklärt und mitnimmt! Es ist absolut empfehlenswert! Schulische Anknüpfungspunkte für das Theaterstück Ay, Ay, Ay, Café gibt es viele, je nach dem, welche Schwerpunkte man im Unterricht setzt und welchen Zusammenhang man herstellt. Einsetzbar ist es bei entsprechender Vorbereitung gut ab Klasse 9. Dabei bieten sich die Fächer Deutsch, Spanisch, Politik, Sozialwissenschaften, Geschichte, Erdkunde, Gesellschaftslehre, Religion und Philosophie gleichermaßen an. An der Erich Kästner-Gesamtschule bildete Ay, ay, ay, Café den Höhepunkt einer Unterrichtsreihe im Fach Religion zum Thema „Soziale Gerechtigkeit in der Einen Welt“ ( 9./10. Schuljahr ). Mit ihr wollten wir uns an der Landesweiten Kampagne zum Fairen Handel in NRW beteiligen und diese in unseren Unterricht mit einbeziehen. Es war eine Chance, in einer besonders deutlichen Weise lebens-weltliche Bezüge und Kern-gehalte christlichen Glaubens miteinander zu verschränken und ganzheitliche Kompeten-zen zu fördern. Und so haben sich die Schülerinnen und Schüler vorab mit dem sogenannten Nord-Süd-Konflikt und seinen historischen Wurzeln auseinander gesetzt.. Sie haben sich mit den Lebensbedingungen der Campesinos beschäftigt und mit den Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit, wie sie in den Seligpreisungen der Bergpredigt ( Neues Testament ), aber auch in dem Zekat im Islam zum Ausdruck kommen. Sie haben darüber gesprochen, was den fairen Handel auszeichnet und was jeder selbst tun kann, damit unsere Welt gerechter wird. Ay, ay, ay, Café brachte dann alles „auf den Punkt“. Am Ende der Unterrichtsreihe standen Besuche in Essener Eine – Welt – Läden, die das Gehörte und Gesehene noch einmal aus einer anderen Perspektive heraus aufgriffen und vertieften. Auch das kam bei den Jugendlichen gut an, der röstfrische Kaffee inklusive. Artur Nickel |