Blumenwelten – Der dornige Weg vom Feld zur Vase ausgestellt in der Marktkirche Essen, von Susanne Schinske Inhalte der Ausstellung Pädagogisches Konzept Auswertung
Inhalte der Ausstellung Weltweit geben VerbraucherInnen jährlich mehr als 30,7 Milliarden Euro für Schnittblumen aus. Marktbeherrschend sind die Niederlande. Doch im letzten Jahrzehnt eroberten immer mehr vorwiegend südliche Länder wie Israel, Kenia, Kolumbien oder Ecuador den Markt. Der ganzjährige Massenkonsum von Blumen erfordert eine Massenproduktion. Schnittblumen werden indu-striell und weltweit produziert. Das verursacht Probleme für Mensch und Umwelt. Die Ausstellung „BlumenWelten – Der dornige Weg vom Feld zur Vase“ setzt sich genau mit dieser Problematik ausein-ander. Sie bietet Zahlen und Fakten über die industrielle Blumenproduktion. Sie berich-tet von den meist katastro-phalen und menschen-unwürdigen Bedingungen, unter denen die ArbeiterInnen auf den Blumenplantagen arbeiten müssen. Die Ausstellung geht aber auch noch einen Schritt weiter und stellt Möglichkeiten vor, wie wir als Konsumenten Einfluss auf die Blumenindustrie ausüben können. Im Rahmen dieser Ausstellung wird das Flower-Label-Programm, kurz FLP vorgestellt, welches sich für eine menschen- und umweltgerechte Blumenproduktion einsetzt. Hauptbestandteil der Ausstellung sind fünf überdimensionale Blumensträuße, auf deren Blättern sich Informationen zu jeweils einem bestimmten Aspekt des Themas befinden: Vase 1: Blumen: Duft, Schönheit, Freude Vase 2: Blumen: Ein Industrieprodukt Vase 3: Unsere Winter-Gärten: Die Länder des Südens Vase 4: Vor Ort: Keine rosigen Zustände Vase 5: Eine Alternative: Das Flower-Label Ein Blumen-Marktstand bietet abschließend weitere Informationen und Tipps für den nächsten Blumenkauf. Pädagogisches Konzept Um auch Schulklassen und Jugendgruppen einen sinnvollen Zugang zu der Ausstellung zu ermöglichen, wurde ein pädagogisches Konzept entwickelt, es beinhaltet Aufgaben die sich auf die Informationen der einzelnen Blumensträuße beziehen. Die Fragen werden in 4 Klein-gruppen bearbeitet. Die Aufgaben ermöglichen einen handlungsorientierten Zugang zu dem Thema, sie sind so konzipiert, dass sie die Eigenaktivität der Schüler-Innen fördern, indem sie z. B. ein Blumenrätsel lösen, Länder auf der Weltkarte suchen oder zeichnen und puzzeln. Im Anschluss an die Kleingruppenarbeit werden die Ergebnisse im Plenum vorgestellt, sodass die Schüler ihre eigene Führung durch die Ausstellung gestalten. Die Ergebnisse können dann gegebenenfalls von den pädagogischen Mitarbeitern ergänzt und verknüpft werden. Eine Vielzahl von Farbfotos (25 Stück) rahmen die gesamte Ausstellung ein und bieten einen authentischen Blick auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von BlumenarbeiterInnen in den Ländern des Südens. Die Ausstellung eignet sich gut für den Besuch mit Schulklassen ab der Jahrgangsstufe 8, für Oberstufenkurse und Berufsschulklassen. Beispielsweise bietet das Thema für den Politik- und Sozialwissenschaftsunterricht einen Anhaltspunkt, die Folgen von Globalisierung und internationalen Handelsverflechtungen zu verdeutlichen. Bezüge lassen sich auch zu den Unterrichtsfächern Erdkunde und Religion herstellen. So bietet die Ausstellung die Möglichkeit einen Einblick in die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen in Ländern der sogenannten Dritten Welt zu erhalten. Des weiteren kann am Beispiel von Blumen das Thema Verbraucherschutz einerseits und Marktstrukturen, Handel und die Rolle des Konsumenten andererseits, exemplarisch aufgearbeitet werden. Das pädagogische Konzept der Ausstellung wurde von Maja Schröder im Rahmen ihres erziehungswissenschaftlichen Studienpraktikums erarbeitet, zusammen mit Susanne Schinske war sie auch für die pädagogische Begleitung der Klassen verantwortlich. Ein Teil dieses Textes ist dem Begleitmaterial für Lehrer/Pädagogen entnommen, das als Hilfe für die Betreuung von Schulklassen/Gruppen verwendet werden kann. Dieses Handout ist ebenfalls von den oben genannten Pädagoginnen verfasst worden. Auswertung Die Ausstellung „BlumenWelten“ war vom 12. bis 29. November 2002 in der Marktkirche in Essen zu sehen. Auf diesen Zeitraum beziehen sich auch die Ergebnisse der nachfolgend erläuterten Evaluation, sie ist Teil einer Diplomarbeit von Susanne Schinske, im Fachbereich Erziehungswissenschaft. Für eine pädagogisch begleitete Führung hatten sich sieben Schulklassen angemeldet, davon waren vier Berufsschulklassen (FloristInnen). Die Befragung dieser Schulklassen fand im Dezember 2002 statt. Um herauszufinden, wie die Aufarbeitung des Themas (mittels Ausstellung) aufgenommen wurde und ob sich Schüler die Inhalte auch merken können, wurde im Herbst 2002 im Rahmen einer Diplomarbeit eine Evaluierung der Ausstellung durchgeführt. Dazu wurden sowohl Schulklassen und Berufschul-klassen mit angehenden Floristinnen, als auch Lehrer nach dem Besuch zu dem Konzept der Ausstellung befragt. Die Resonanz der Lehrer war durchgängig positiv, auch wenn der enge Zeitrahmen, in den sich Schulklassen befinden, teilweise als Nachteil empfunden wurde, befürworteten die Lehrer eine derartige Herangehensweise an das Thema, und empfanden sie als sinnvolle alternative zum herkömmlichen Unterricht. Die Reaktion der Schülerinnen, Schüler und Floristinnen war eher gemischt, tendenziell aber positiv. Die Befragung direkt nach dem Ausstellungsbesuch zeigt eine Diskrepanz zwischen inhaltlichen und formalen Aspekten, so bewerteten die meisten (Berufs)SchülerInnen den Inhalt der Ausstellung besser als die Gestaltung. Ich denke das liegt unter anderem daran, dass die Ausstellung sehr einfach gehalten ist und auf spektakuläre Effekte, wie den Einsatz von multimedialen Mitteln (abgesehen von einem Videofilm) verzichtet. Ein ähnliches Ergebnis spiegelt sich in den Antworten der Fragebogenerhebung. Die Art und Weise, wie das Thema „Blumenwelten“ in der Ausstellung bearbeitet wurde, bewerteten die Schüler etwa zu gleichen Teilen interessant und informativ aber auch langweilig. Auffällig ist, dass die allgemeine Beurteilung der Floristinnen positiver ausfiel. Dennoch empfand es die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler gut, dass sie eine Ausstellung außerhalb der Schule Besucht haben. Überraschend ist auch die allgemeine Einschätzung entwicklungspolitischer Themen, so finden es 42% der Besucher-Innen wichtig und 30% sogar sehr wichtig, dass derartige Themen im Unterricht behandelt werden. Auch hier ist wieder festzustellen, dass die Floristinnen die Wichtigkeit höher einschätzen. Die Fragebogenanalyse zeigt weiterhin, dass die Ausstellungs-inhalte von den (Berufs)Schülern am besten behalten wurden, die eine Nachbereitung des Themas im Unterricht durchgeführt haben. Hier wird deutlich, dass ein Besuch der Ausstellung nicht losgelöst vom Schulalltag gesehen werden sollte, sondern im Unterricht eingebunden werden muss um eine nachhaltige Wirkung möglich zu machen. |