PRAXISBEISPIELE
 

Ché – Theaterbegegnung
Idole, Ideale, Ikonen

EssenerKulturGespräch/Erich Kästner-Gesamtschule
in Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Grend in Essen – Steele (6.11.2002), von Dr. Artur Nickel

Ein Kuba-Tourist am Strand von Varadero. Er träumt vor sich hin, hängt seinen Gedanken nach und lässt „seine Seele baumeln“. So beginnt das Einpersonenstück Ché mit Olaf Reitz in der Hauptrolle, eine Produktion des Informations-büros Nicaragua e. V. Wuppertal, unter der Regie von Eddy Socorro, Havanna/Kuba. Und von da aus nähert es sich, immer wieder den Blickwinkel wechselnd, dem einstigen Revolutionär Ernesto Ché Guevara, der Ikone der 68er – Bewegung. Es zeichnet wichtige Stationen seines Lebens nach und zeigt Entwicklungen auf: Was hat Ché bewegt? Was hat er bewirkt? Schritt für Schritt entsteht das Bild eines Menschen, das zwischen Mythos und Realität schwebt. Es ist das eines Machos, eines Abenteurers, eines Revolutionärs, eines neuen Christus, aber auch das eines Verbrechers, der seine Gegner rücksichtslos eliminiert. Eine Figur, die in Frage stellt und die in Frage zu stellen ist.
An der Erich Kästner-Gesamtschule in Essen bildete Ché den Ausgangspunkt für ein fächerübergreifendes Projekt im Spanisch-unterricht. Unter dem Thema Idole, Ideale, Ikonen setzten sich die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 12 und 13 zunächst mit der Biographie Ché Guevaras auseinander, um zu erkunden, welche Bedeutung dieser Revolutionär für die 68er – Bewegung hat. Dann fragten sie nach Idolen und Idealen, die für sie selbst Vorbildfunktion hatten oder haben. Hitzige Diskussionen entstanden: Wer hat welches Vorbild? Warum? Ist das gut so? Braucht man überhaupt Vorbilder? Was passiert, wenn man keine hat? Oder gar falsche? Schließlich erhielten die Schülerinnen und Schüler die Aufgabe, Bilder ihrer persönlichen „Helden“ künstlerisch so zu bearbeiten, dass deren Vorbildcharakter erkennbar wurde. Die Technik – von der Collage über die Verfremdung am Computer bis hin zum Videoclip – war freigestellt. Und so entstand ein ganzes Kaleidoskop von Arbeiten. Jede einzelne spiegelt eine ganz persönliche Auseinandersetzung wider mit der Frage, was wen warum leitet. Ein gelungenes Projekt!

Die Fachlehrerin Anette Casella:

Das Theaterstück zeigt Ché in all seinen Facetten: sympathisch, aber auch grausam; solidarisch, trotzdem ein Macho; wankelmütig, dann aber konsequent in seiner Entscheidung, für eine bessere Welt zu kämpfen .... am Ende seine gnadenlose Ausbeutung durch die Werbung. Für die Sekundarstufe II absolut empfehlenswert!

Schülermeinungen:

Rahel G.:
Ein sehr gutes Theaterstück, das Ché von seiner menschlichen Seite zeigt! Besonders interessant finde ich die Sprünge in der Handlung!

Michael R.:
Beeindruckend ist für mich, dass auch das eingebracht wird, was mit dem Namen Ché Guevara heute gemacht wird!

arischta G.:
Ich finde den Schauspieler total cool. Wie der die verschiedenen Rollen alle selber gespielt hat! Außerdem hat er sich nach dem Stück Zeit für uns genommen zu reden und zu fragen.

Anknüpfungspunkte für diese Theaterbegegnung bieten beispielsweise auch die Fächer Deutsch, Sozialwissenschaften, Philosophie und Religion.

Weitere Informationen unter www.ekg-essen.de (EssenerKulturGespräch).