Der lange Weg vom Schmerz zur Hoffnung Fotos und Texte zu Chiapas/Mexiko. Eine Ausstellung in der Widar Schule in Bochum – Wattenscheid, Waldorfschule Jg. 1-12 im Juni 2003 „Augen auf – Hirn an!“ Dieses Motto setzten sich die Schülerinnen und Schüler der Widar Schule auf ihrer diesjährigen Schülertagung. Drei Tage lang gab es für sie Unterricht einmal anders: in Theateraufführungen, Vorträgen und Kursen, zwischen denen sie wählen konnten. Das Angebot war vielfältig. Es reichte vom Bogen-schießen übers russische Kochen bis hin zu Groove im Chor, von der Einführung in die Informatik bis zur Frage, was Globalisierung ist. In diesem Rahmen eröffnete Beate Zimmermann, eine Essener Ärztin, die Ausstellung Der lange Weg vom Schmerz zur Hoffnung. Fotos und Texte zu Chiapas/Mexiko. Sie engagiert sich seit vielen Jahren in Chiapas, um die Lebensverhältnisse der Indios zu verbessern, und hat diese Ausstellung konzipiert. Der lange Weg bildete den Mittelpunkt der Tagung und richtete den Blick exemplarisch auf eine Minderheit, mit der wir anscheinend nicht so sehr viel zu tun haben. Sehr anschaulich schilderte Beate Zimmermann anhand der Fotos, wer die Indigenas von Chiapas sind, wie sie nach fünfhundert Jahren Unterdrückung leben und was sich bei ihnen durch den Aufstand 1994 verändert hat. Sie zeichnete das Bild einer beklemmenden Wirklichkeit, zeigte aber, dass die Menschen dort trotz alledem menschliche Würde zu leben versuchen. Ein Fünkchen Hoffnung, das Mut macht! Beate Zimmermann verstand es, einen Bogen zu schlagen von den Indios zu uns. So erklärte sie beispielsweise, dass die Indios in ihrer Grammatik, anders als wir, kein Objekt kennen. Mit jemandem zu sprechen, heißt für sie, ihn anzusprechen und er hört zu. Der Hörende ist also wie der Sprecher aktiv, er hat keine passive Rolle – eine Vorstellung, von der wir hier in Westeuropa nur lernen können! Beate Zimmermann zeigte aber auch Gefahren auf, die den Indios drohen – etwa durch die Nationalparks, aus denen sie vertrieben werden. Diese würden von multinationalen Konzernen eingerichtet, um angeblich den Regenwald zu schützen. In Wirklichkeit gehe es ihnen aber darum, das indianische Wissen über die Heilkraft von Pflanzen zu nutzen. Sie würden die Wirkstoffe gentechnisch auf-bereiten, ohne die Indios am Gewinn zu beteiligen. Anstatt nach fünfhundert Jahren Unterdrückung für aus-gleichende Gerechtigkeit zu sorgen, würden sie sie erneut ins Abseits drängen. Am Ende des Berichts gab es für Beate Zimmermann einen lang anhaltenden Applaus und die Frage von einigen Jugendlichen, ob sie nicht ihren Zivildienst in Chiapas ableisten könnten. Immer wieder nutzten Eltern, Lehrer und Schüler die Pausen zwischen den Veranstaltungen und die Tage danach, um sich die Fotos noch einmal anzuschauen und über das Gehörte zu sprechen. Eine vielseitig einsetzbare Ausstellung, die nachdenklich macht! Ein Bericht, der überzeugte und uns in Frage stellte! Kerstin Fricke |