Lutz van Dijk liest gegen Vorurteile an
...
und das tat er am 10. Mai vor Schülerinnen und Schülern des
11er Grundkurses Philosophie so überzeugend und glaubwürdig,
ja schlichtweg so gewinnend freundlich, dass nicht nur die Biographie
des 1955 in Berlin geborenen Schriftstellers überzeugte, Mut machte
und die Schüler und ihren Lehrer in den Bann schlug.
Dass da ein anerkannter Schriftsteller mit größter Selbstverständlichkeit
von den eigenen Schwierigkeiten als Schüler sprach, der prompt
mit siebzehn Jahren nach New York aufbrach, um von da an ein ebenso
unstetes wie konsequentes Leben zu führen, überrascht. Dass
da jemand über sein Leben mit größter Bescheidenheit
erzählt, das stets an persönlicher Geschichte und an einem
wachen und toleranten Blick für Menschen verpflichtet blieb, die
oftmals übersehen bleiben, das bestärkt – denn Lebensgeschichte(n)
hörten die Schülerinnen und Schüler nicht nur, sondern
boten sie auch selbst im anschließenden Gespräch.
Wie sehr eine gelebte Toleranz und eine praktizierte Menschlichkeit
Wellen schlagen können, bewies etwa die Arbeit des Schriftstellers
in Südafrika, die ihn und Mitstreiter in einem Kinderhaus eben
jenen Kindern Obdach bieten, die als an Aids Infizierte außerhalb
der Gesellschaft chancenlos bleiben würden.
Das verwirklichte Engagement ist einem einzigen Buch zu verdanken, das
die Lebensgeschichte eines südafrikanischen Mädchens erzählt,
das sich nach Missbrauch und HIV-infizierung an den Schriftsteller wandte,
um diese Geschichte gegen das Verdrängen zu behaupten. Heute ist
die Lebensgeschichte des Mädchens Lektüre an nahezu allen
südafrikanischen Schulen, und der Verkaufserlös erlaubte die
Errichtung des Kinderheims „HOKISA“.
Bevor Lutz van Dijk mit bewegenden Bildern seine Arbeit mit Kindern
näher vorstellte, berührte noch eine weitere Lebensgeschichte.
Stefan K., ein junger polnischer Mann, der sich im Zweiten Weltkrieg
in einen deutschen Soldaten verliebt, darüber aber erstmalig erst
als alter Mann zu sprechen und zu schreiben begann, führt dann
zurück in die USA, wo das Bild des Mannes vierzig Jahre später
als Schlagzeile die großen Zeitschriften schmückte, um Mut
zu machen und einen selbstverständlichen Umgang mit Homosexualität
einzufordern. Heute erinnert die Biographie des Stefan K. etwa im großen
Archiv all der Opfer des National-sozialismus, das durch Steven Spielberg
vor einigen angelegt worden ist.
Zwei Stunden Lutz van Dijk – und zurück bleibt ein Eindruck
tiefster und ausgesprochen motivierender Menschlichkeit, und es bleibt
zu hoffen, dass das Leben und Wirken des Schriftstellers bei den Schülerinnen
und Schülern einen Eindruck hinterlassen wird, der authentisch
gegen Rassismus auftritt und für Courage eintritt.
(Peter Gutsche, Philosophielehrer)
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